Jeder Mensch hat das Grundbedürfnis mit seiner Umwelt, insbesondere mit seinen Mitmenschen, in Kontakt zu treten und zu kommunizieren

Viele Schülerinnen und Schüler der Bodelschwingh-Schule haben aber gerade im Bereich Sprache und Kommunikation einen besonders hohen Förderbedarf.

Sie können sich bei Schuleintritt aufgrund ihrer Beeinträchtigung nur schwer oder in eingeschränktem Maße verständlich machen, einige können gar nicht sprechen. Auch diese Schüler und Schülerinnen haben etwas zu sagen und das Bedürfnis sich mitzuteilen.

Bei Menschen mit stark ausgeprägten autistischen Zügen sind Kommunikationsfähigkeit und vor allem auch das Bedürfnis nach Kommunikation häufig sehr eingeschränkt. Durch den Einsatz spezieller Methoden muss hier zunächst die Kommunikationsbereitschaft angeregt werden. Wir an der Bodelschwingh-Schule helfen allen Schülerinnen und Schülern dabei ihre kommunikativen Kompetenzen zu erweitern, Sprache aufzubauen oder auch, alternative Ausdrucksformen für sie zu finden. Dies kann und muss auf unterschiedliche Art und Weise „unterstützt“ werden.

Was versteht man unter „Unterstützter Kommunikation“?

Unterstützte Kommunikation (UK) ist die deutsche Bezeichnung des internationalen Fachgebiets Augmentative and Alternative Communication (AAC), d.h. ergänzende und ersetzende Kommunikation. Unter diesem Begriff werden alle Kommunikationsformen zusammengefasst, die eingeschränkte Lautsprache ergänzen oder fehlende ersetzen, sowie alle pädagogischen und therapeutischen Maßnah-men, die zur Erweiterung der Verständigungsmöglichkeiten von Menschen führen. Sie dient nicht nur Personen, welche nicht sprechen können oder deren Sprache schwer verständlich ist, Methoden der Unterstützten Kommunikation können allgemein zur Förderung kommunikativer/sprachlicher Kompetenzen genutzt werden. Die Formen und Maßnahmen werden jeweils dem individuellem Bedarf des Menschen angepasst. Unterstütze Kommunikation kann somit einerseits als Ersatz für Lautsprache verwendet werden, andererseits kann UK aber auch Lautsprache ergänzen, den Sprachaufbau unter-stützen und sprachliche Äußerungen begleiten. Die Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation können auf Dauer oder auch vorübergehend, so lange wie sie benötigt werden, eingesetzt werden.

Ziele der Unterstützten Kommunikation

Ziel aller Maßnahmen Unterstützer Kommunikation ist, jedem Menschen eine seinen Möglichkeiten entsprechende Form der Kommunikation zu ermöglichen, diese anzubahnen, auszuweiten und zu verbessern. Dabei sollte die Kommunikationsförderung so früh wie möglich, auch bereits auf ganz basaler Ebene, einsetzen. Erste Ziele zur Anbahnung von Kommunikationsfähigkeit und Sprache sind das Erleben von Selbstwirksamkeit sowie Kommunikation über Körpersignale.
Lautsprachlich eingeschränkte Schüler sollen durch Unterstützte Kommunikation in die Lage versetzt werden, ihr Gegenüber besser zu verstehen, Interesse an diesem zu entwickeln, Kontakt zu ihrer Umwelt aufzunehmen, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu äußern, über ihr Befinden zu berichten, von Er-lebtem selbstständig zu erzählen und Entscheidungen zu treffen. Sie sollen durch sprachliche und kommunikative Kompetenz insgesamt aktiver, selbstständiger und selbstbestimmter am Leben teilhaben und in die Gemeinschaft integriert werden können.
Unterstützte Kommunikation dient nicht nur dem Sprachaufbau von nichtsprechenden Schülerinnen und Schülern, Kompetenzen im Bereich des aktiven Sprachgebrauchs auf unterschiedlichem Niveau können mit den Methoden der Unterstützten Kommunikation verbessert werden.

Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen körpereigenen Ausdrucksmöglichkeiten und externen Kommunikationshilfen.

Körpereigene Kommunikationsformen:

  • Blickkontakt, Augenbewegungen
  • Mimik und Gestik
  • Laute
  • Körperbewegungen
  • Gebärden (Gebärden haben im Bereich UK einen besonderen Stellenwert)
  • Externe Kommunikationshilfen:

Nichtelektronische Hilfsmittel:

  • konkrete Gegenstände, Miniaturen
  • Fotos, Bilder, Bildsymbole
  • Symbole
  • Schrift

Diese werden angeboten als einzelne Karten, auf Plänen, in Symbolsammlungen zu bestimmten Themen und in Form von Kommunikationstafeln oder -mappen. Sie dienen auch zur Beschriftung elektronischer Hilfsmittel.

Elektronische Hilfsmittel:

  • Auslösende Tasten (zum Verständnis des Ursache-Wirkung-Zusammenhangs), entsprechende Spielzeuge und Ansteuerungshilfen wie PowerLink
  • Sprechende Tasten (Big-Point, BIGmack, Step-by-Sep u.ä.)
  • Einfache elektronische Geräte (Go Talk, AnyBook-Vorlesestift u.ä.)
  • Komplexe elektronische Sprachausgabegeräte und Computer (DynaVox, Rehatalkpad u.ä.) ggf. mit entsprechenden Hilfen wie Fingerführung, Augenansteuerung usw.

Unterstützte Kommunikation in der Bodelschwingh-Schule

In der Bodelschwingh-Schule wächst in den letzten Jahren ein UK-Konzept und wird ständig weiterentwickelt. Im Klassenunterricht sowie auch in Einzelfördereinheiten werden Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation eingesetzt und sind im täglichen Schulalltag präsent. Die Auswahl der für die Gruppe, sowie für die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler geeigneten UK-Methode, erfolgt nach deren/dessen individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen. Kein Kind soll an unserer Schule sprachlos bleiben! Der Bereich „Unterstützte Kommunikation“ ist daher immer ein Bestandteil des Unterrichts und Schulalltags in unserer Schule.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern, Betreuern und Sprachtherapeuten ist uns sehr wichtig, um ein möglichst effektives Training und eine Anwendung in vielen Lebensbereichen der Schüler und Schülerinnen zu erreichen und die Kommunikationspartner gleichzeitig mit zu schulen.

Methodenschwerpunkte in unserer Schule:

Gebärden

Gebärden werden begleitend zur Lautsprache eingesetzt, wobei nicht alle gesprochenen Wörter sondern nur die sinntragenden gebärdet werden. Die verwendeten Gebärden entstammen der Deutschen Gebärdensprache (ggf. Auswahl der einfachsten Form) und sind daher im deutschen Sprachraum verständlich.

Die wichtigsten Gebärden werden als Sammlung innerhalb der Schule systematisch angelegt und stehen allen Lehrpersonen zur Nutzung (als Kopiervorlage-Ordner, auf dem PC und USB-Stick) zur Verfügung.

Wichtige Gebärden werden gezielt im Unterricht eingeführt und sprachbegleitend verwendet. Bereits in der Eingangsstufe lernen die Schüler und Schülerinnen Gebärden, die sich zunächst vor allem auf den konkreten lebenspraktischen Bereich beziehen. Alle Schülerinnen und Schüler lernen im Primarbereich einen Grundwortschatz an Gebärden in Verbindung mit entsprechenden Symbolen zu folgenden relevanten Bereichen:
Grundbedürfnisse, Speisen und Getränke, Schule, Freizeitgestaltung, Zeit sowie auch kleine wichtige Wörter.

Verschiedene UK-Aktionen wie ein Gebärdencafé sowie die Präsentation in einer nach aktuellen Themen gestalteten UK-Vitrine, Gebärdenplakate oder mit Gebärden versehene Tafeln im Gebäude sollen zur Gebärdennutzung motivieren. Außerdem stehen einige Bilderbücher mit Gebärdenfotos zur Verfügung.

Nichtelektronische Hilfsmittel

Nichtelektronische Hilfsmittel wie Realgegenstände, Miniaturen, Fotos und Bilder gehören an unserer Schule zum normalen Unterrichtsalltag. Darüber hinaus stehen den Klassen parallel zu den Gebärden Symbolsysteme als Orientierungs- und Kommunikationshilfe zur Verfügung.

Zur Arbeit werden von allen Klassen die ausgewählten Symbole der schulinternen Gebärden- und Symbolsammlung zu verschiedenen Themen (z.B. Stundenplan, Ämterplan, Speiseraum, Toilette, Feste) genutzt. Weitere Symbole können Symbolsammlungen wie Boardmaker und Metacom ent-nommen werden.

Neu an der Schule ist eine Zusammenstellung von Symbolen (einschl. Gebärden) zu den Aktivitäten am Wochenende. Diese steht den Klassen als Tafelmaterial zur Verfügung und kann in Form von Erzähl-Mappen, nach Absprache mit den Eltern, dem Schüler/der Schülerin mit nach Hause gegeben werden. Durch Vorgabe einer Satzstruktur kann mithilfe der Symbole das Sprechen in vollständigen Sätzen gefördert werden.

In der Arbeit mit autistischen Kindern werden Bilder und Symbole nicht nur zur Kommunikationsanbahnung (z.B. PECS oder Trans-Pics), sondern besonders auch zur Orientierung im Schulalltag einge-setzt. Diese Systeme werden von den jeweiligen Lehrpersonen individuell zusammengestellt und auf-bereitet.

Elektronische Geräte

Auch elektronische Hilfsmittel werden in der Bodelschwingh-Schule zunehmend genutzt, angefangen von einfachen auslösenden Schaltern, Spielzeugen und Ansteuerungshilfen (zur Verdeutlichung des Ursache-Wirkung-Prinzips) bis hin zu Sprachausgabe-Buttons (z.B. BIGmack, Step-by-Step) und ein-fachen Sprachausgabegeräten (z.B. Any-book-Vorlesestift, Go-Talk, Super-Talker). Diese Geräte ste-hen in der Schule teilweise direkt für den Einsatz im Unterricht, teilweise für eine Erprobungsphase vor der Anschaffung für den einzelnen Schüler/die einzelne Schülerin zur Verfügung.

 

In unserer Schule werden auch komplexere Sprachausgabegeräte (z.B.: Dyna-Vox, I-Pad) eingesetzt, die individuell für einzelne Schülerinnen und Schüler beantragt und angeschafft werden. Auch der Einsatz individuell notwendiger Hilfsmittel wie z.B. eines speziellen Sprachausgabegeräts oder eines PCs mit spezieller Tastatur oder Augensteuerung ist an unserer Schule möglich.

Die Aufgabe des Klassenteams ist es, diese Geräte gemeinsam mit den Logopäden und Eltern zu pflegen und immer wieder zu aktualisieren.

Das UK-Team der Bodelschwingh-Schule

An der Bodelschwingh-Schule gibt es ein UK-Team, welches dem Kollegium, den Mitarbeitern, Eltern und Erziehungsberechtigten sowie den Therapeuten als Ansprechpartner zu Verfügung steht und sich schwerpunktmäßig mit folgenden Aufgaben beschäftigt:

  • Aktualisierung und Erweiterung der schulinternen Gebärden- und Symbolsammlung (als Kopiervorlage, auf dem PC oder USB-Stick)
  • Erweiterung und Instandhaltung des Hilfsmittelpools der Schule
  • Anfertigung und Aufbereitung von Materialien für die Unterrichtspraxis
  • Anschaffung von aktueller Literatur und Bilderbüchern sowie Vorbereitung der Bilderbücher für den Einsatz im Unterricht z.B. durch das Einfügen von Gebärdenbildern oder die Bearbeitung mit dem AnyBook-Vorlesestift
  • Beratung der Kollegen und Eltern bei der Versorgung mit Hilfsmitteln
    Hierzu gehören die Durchführung und Auswertung von Beobachtungs- und Testverfahren sowie die Beratung mit Sprachtherapeuten und der Austausch mit Hilfsmittelfirmen.
  • Unterstützung bei der Beantragung von Hilfsmitteln bei den Krankenkassen
  • die Information des Kollegiums durch Workshops und Ausstellungen von vorhandenen Medien und Neuheiten sowie Ideen für die Unterrichtspraxis im Bereich UK.

Zurzeit arbeitet sich das UK-Team auch in den Bereich UK und Autismus ein und hat hier erste Ar-beitsmaterialien zusammengestellt. Das UK-Team nimmt am regionalen Arbeitskreis Nord-West für unterstützte Kommunikation und Neue Technologien der Förderschulen teil und ist damit im Austausch mit anderen Förderschulen des Regierungsbezirks Arnsberg. Die Bodelschwingh-Schule ist Mitglied bei ISAAC, der internationalen Gesellschaft für ergänzende und alternative Kommunikation, und erhält hierdurch Angebote für Fortbildungen und regelmäßige Informationen über den Stand der Forschung und Entwicklung im Bereich UK.